Behandlung

Dies ist ein Überblick, wie Multiple Sklerose (MS) behandelt werden kann.

Im akuten Schub wird heutzutage üblicherweise eine hochdosierte Cortisonstoßtherapie als Infusion vorgenommen. Durchschnittlich werden an drei Tagen in der Regel je 1000 mg verabreicht. Arzt und Patient sollten sich beraten, ob danach ein Ausschleichen der Dosis stattfinden muss. Es kann mit der Verabreichung z. B. von Tabletten in einem vorgegebenen Schema gewissen Entzugserscheinungen vorgebeugt werden. Dies ist aber nicht zwingend erforderlich, die Handhabung ist von Fall zu Fall frei zu entscheiden. Ebenso ist die Dosierung bei den Infusionen variabel. Bei Bedarf können bis zu max. 8000 mg Gesamtdosis für den Behandlungzeitraum gegeben werden.

Bei der schubförmigen MS werden zur Vorbeugung und Erhaltung sogenannte Basistherapeutika mit immunmodulierenden Eigenschaften angewandt. Diese sind Interferone (Avonex®, Betaferon®, Extavia® und Rebif®), sowie Glatimeracetat (Copaxone®). Sie werden als subkutane Injektionen verabreicht, mit Ausnahme von Avonex, das intramuskulär gespritzt wird. Immunglobuline (Gamunex® oder Octagam®) werden nur bei Schwangerschaft oder Kontraindikation anderer Basismedikamente eingesetzt. Hierbei handelt es sich um Infusionen. Azathioprin (Imurek®), ein Immunsuppressivum, das ursprünglich gegen Abstoßungsreaktionen bei Transplantationen entwickelt wurde, bietet sich ebenfalls bei Gegenanzeigen manchmal als Alternative an.

Seit dem dritten Quartal 2013 sind zwei neue Wirkstoffe für die Behandlung zugelassen. Teriflunomid (Aubagio®) wird als Tablette angeboten. Mit dem ehemaligen Wirkstoff zur Krebsbehandlung Alemtuzumab, ein monoklonaler Antikörper, steht jetzt unter dem Handelsnamen Lemtrada® eine hochwirksame Infusionslösung zur Verfügung, die in Deutschland von Anfang an (Firstline) verabreicht werden darf. Die neueste Tablette namens Tecfidera® kam Anfang 2014 hinzu. Der darin enthaltene Wirkstoff Dimethylfumarat ist schon seit längerer Zeit zur Behandlung von Psoriasis (Schuppenflechte) bekannt. Im dritten Quartal 2016 wurden die Basistherapien um den Wirkstoff Daclizumab, Handelsname Zinbryta® erweitert, der subkutan gespritzt wird. Hierbei handelt es sich ebenfalls um einen monoklonalen Antikörper.

Wenn es sich zeigt, dass all diese Mittel nicht ausreichend wirksam sind, heißt auf Dauer zwei oder mehrere Schübe im Jahr stattfinden, wird versucht, die Krankheitsaktivität mittels einer Eskalationstherapie mit sog. Immunsuppressiva - Unterdrückung der Immunabwehr - zu stoppen. Hier stehen der Medizin einige hochwirksame Medikamente zur Verfügung, die allerdings auch mit gewissen Risiken behaftet sind. Fingolimod (Gilenya®) ist hier als neuester Wirkstoff in Tablettenform zu nennen. Natalizumab (Tysabri®) wird als Infusion angeboten. Es gibt auch seit vielen Jahren eine Behandlung auf der Basis einer Chemotherapie, nur anders und niedriger dosiert. Hier sind die Wirkstoffe Mitoxantron (Ralenova®) und Cyclophosphamid (Endoxan®) zu nennen.

Bei der sekundär progredienten Form der MS, die unter bestimmten Bedingungen von der schubförmigen Variante konvertiert, ist die Auswahl der zur Behandlung eingesetzten Medikamente nicht so vielfältig. Hier gibt es verschiedene Behandlungsansätze. Eines der Medikamente ist das vorgenannte Interferon mit dem Handelsnamen Betaferon®, das vor einigen Jahren auf der Basis einer positiven Studie hierfür zugelassen wurde. Vereinzelt unternehmen Neurologen auch Therapieversuche mit Azathioprin (Imurek®), was jedoch nicht ausreichend bestätigt zu sein scheint. Im Folgenden ist das übliche Vorgehen der Einsatz von Cortisonstoßtherapie (3000 mg/Quartal). Dies kann mit Chemotherapeutika in niedriger Dosierung ergänzt werden, wenn nötig. Die Chemotherapie kann jedoch auch als alleinige Behandlung für einen gewissen Zeitraum, meistens Mitoxantron bis zum Erreichen der Lebensdosis (kumulative Gesamtdosis von 120 mg/m2 KOF) versucht werden. Darüber hinaus wird unter Umständen eine Therapie mit Cyclophosphamid (Endoxan®) angestrebt werden. Cortison-Gaben in die Rückenmarksflüssigkeit (intrathekale Gabe von Volon A) erweisen sich auch als wirksam. Man könnte sie jedoch auch gewissermaßen den symptomatischen Therapien zuordnen.

Bei der primär progredienten MS gibt es bislang noch keine qualitativ guten Studien über den Einsatz bestimmter Medikamente. Bei schnellem Fortschreiten der Krankheit wird ebenfalls eine Cortison- oder Mitoxantrontherapie versucht werden. Im Übrigen wird sich hier auf die Anwendung von Arzneimitteln, die symptomatisch wirken, beschränkt.

Solche symptomatischen Therapien können auch bei den anderen Verläufen sinnvolle Ergänzung bieten.

Text: © Sommer